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Nachruf Maria_1.tif

Aus der neuen Presse vom 20.12.2021

Wir trauern um Maria Gerstner!

Maria Gerstner war stets für andere da, als Kreisrätin ebenso wie als Anwältin der Schwachen. Nun ist sie nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.                                                                        von Heike Schüleinund Christian Kreuzer

NEU­KEN­ROTH. Ihr La­chen war an­ste­ckend, ihr Op­ti­mis­mus un­er­schüt­ter­lich, ihr Herz weit. Ma­ria Gerst­ner half, wo Hil­fe nö­tig war – und das auf vie­len Ebe­nen. Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch ist die lang­jäh­ri­ge KAB-Diö­ze­san­se­kre­tä­rin und Kreis­rä­tin im Al­ter von 66 Jah­ren nach kur­zer schwe­rer Krank­heit ge­stor­ben.

Ma­ria Gerst­ner war Kin­der­pfle­ge­rin von Be­ruf. Nach ih­rer El­tern­zeit wand­te sie sich dann ei­nem an­de­ren Be­tä­ti­gungs­feld zu: Der haupt­be­ruf­li­chen Ar­beit in der Ka­tho­li­schen Ar­beit­neh­mer-Be­we­gung (KAB). Als Diö­ze­san­se­kre­tä­rin war sie von 1997 bis 2019 im Kro­nacher Bü­ro tä­tig. Hier half sie bei­spiels­wei­se Men­schen mit nied­ri­gem Ein­kom­men und ge­rin­ger Ren­te bei Schwie­rig­kei­ten mit dem Ar­beit­ge­ber oder Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger. „Das war für sie ei­ne völ­lig neue Tä­tig­keit“, er­in­nert sich Ga­brie­le Zeuß, die als da­ma­li­ge KAB-Kreis­vor­sit­zen­de zu­sam­men mit der Diö­ze­san­vor­sit­zen­den

Mat­hil­de Hutzl die Neu­ken­ro­the­rin un­ter meh­re­ren Be­wer­bern aus­wähl­te. Schon da­mals ha­be Ma­ria Gerst­ner den für sie so cha­rak­te­ris­ti­schen Ta­ten­drang be­ses­sen, wo­von sie in der ins­ge­samt rund 25-jäh­ri­gen Zu­sam­men­ar­beit nichts ver­lo­ren ha­be. Mit be­wun­derns­wer­tem Ein­satz ha­be sie sich in die Ver­bands­ar­beit ein­ge­ar­bei­tet und im­mer wei­ter­ge­bil­det. „Die Rechts­be­ra­tung hat sie vol­ler Lei­den­schaft aus­ge­übt und so vie­len Men­schen zu ih­rem Recht ver­hol­fen“, be­tont die KAB-Eh­ren­vor­sit­zen­de. Ei­ne gro­ße Stär­ke von Gerst­ner sei­en ih­re vie­len Ver­bin­dun­gen und Netz­wer­ke ge­we­sen.

„Sie war ein sehr lie­ber Mensch und hat in ih­rem Le­ben viel Gu­tes ge­tan. Ihr lag im­mer dar­an, das Gan­ze in gu­te Bah­nen zu len­ken. Sie leg­te Wert auf ein gu­tes Mit­ein­an­der und hat Rei­be­rei­en nie per­sön­lich ge­nom­men“, stellt Ga­brie­le Zeuß her­aus. Für die Ar­beit in ih­rem meh­re­re Kreis­ver­bän­de um­fas­sen­den Ein­satz­ge­biet ha­be sie kei­ne Mü­hen oder We­ge ge­scheut. So sei sie auch in der Nacht oder bei schwie­ri­gen Wit­te­rungs­ver­hält­nis­sen sprich­wört­lich über Stock und Stein ge­fah­ren.

Im Sep­tem­ber 2019 trat Ma­ria Gerst­ner als Diö­ze­san­se­kre­tä­rin in den Ru­he­stand. Doch auch da­nach war sie wei­ter­hin auf ge­ring­fü­gi­ger Ba­sis an ei­nem Tag der Wo­che im Kro­nacher Bü­ro an­we­send und stand der neu­en Rechts­schutz- und Ver­bands­re­fe­ren­tin Ma­nue­la Mäh­rin­ger mit ih­rem lang­jäh­ri­gen Er­fah­rungs­schatz zur Ver­fü­gung. Als Rechts­schutz-Se­kre­tä­rin nahm sie wei­ter­hin bis zu­letzt Be­ra­tun­gen wahr und be­rei­te­te Ge­richts­ter­mi­ne vor.

Ein Her­zens­an­lie­gen war ihr die Ko­or­di­na­ti­on der in­ter­na­tio­na­len Ar­beit der KAB. Mit ho­hem per­sön­li­chem Ein­satz und vie­len Be­su­chen vor Ort un­ter­stütz­te Gerst­ner die Ent­wick­lungs­ar­beit „Fi­voy“ von Su­zan­ne Ra­zant­soa im Part­ner­land des Diö­ze­san­ver­bands Bam­berg, Ma­da­gas­kar, um da­mit be­nach­tei­lig­ten Frau­en und de­ren Fa­mi­li­en zu hel­fen. 21 Jah­re lang war sie ak­tiv im Vor­stand der So­li­da­ri­täts­ak­ti­on der KAB Deutsch­lands, hat da­bei an der Ent­wick­lung des Welt­not­werks mit­ge­ar­bei­tet und sich ak­tiv für die Ar­bei­te­rin­nen und Ar­bei­ter in den Part­ner­län­dern ein­ge­setzt.

Die über­gro­ße Hilfs­be­reit­schaft der gläu­bi­gen Chris­tin kann­te nie Un­ter­schie­de zwi­schen Her­kunft, Kul­tur oder Re­li­gi­on der Hil­fe­su­chen­den. Welt­of­fen, so­li­da­risch und de­mo­kra­tisch en­ga­gier­te sie sich im Ar­beits­kreis Asyl Kro­nach für die In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen. Ve­he­ment mach­te sie sich für Men­schen­wür­de und Völ­ker­ver­stän­di­gung stark und trat eben­so mu­tig ge­gen In­to­le­ranz, Men­schen­feind­lich­keit und Ge­walt ein. Ge­mäß der christ­li­chen Kul­tur „Ich war fremd und ihr habt mir Hei­mat ge­ge­ben“ nahm sie auch selbst Flücht­lin­ge bei sich zu­hau­se auf.

Un­er­müd­lich kämpf­te sie auch für den Platz von Frau­en in Ge­sell­schaft und Po­li­tik. Von An­fang an war Ma­ria Gerst­ner ei­ne tra­gen­de Säu­le der 1989 ge­grün­de­ten „Frau­en­lis­te Stadt Kro­nach“. Sie wur­de in die Vor­stand­schaft ge­wählt und führ­te spä­ter auch den Vor­sitz. Hö­he­punkt ih­rer po­li­ti­schen Kar­rie­re war die Land­tags­wahl 2013, bei der Gerst­ner als Spit­zen­kan­di­da­tin an­trat. „In die­ser Zeit leb­te sie nach der De­vi­se, dass nur Ver­trau­en und ge­gen­sei­ti­ge Wert­schät­zung ei­ne sach­li­che Zu­sam­men­ar­beit mög­lich ma­chen und dass Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten in de­mo­kra­ti­scher Streit­kul­tur aus­ge­tra­gen wer­den müs­sen. Sie sorg­te da­für, dass die Vor­stand­schaft sich ste­tig wan­del­te und jung und alt ih­re Er­fah­rungs­wer­te ein­brin­gen konn­ten. Je­de, je­den nahm sie wich­tig“, er­in­nert sich Gerst­ners lang­jäh­ri­ge Kreis­tags­kol­le­gin Pe­tra Zen­kel-Schir­mer – und wei­ter: „Sie war ei­ne Froh­na­tur, tat­kräf­tig und zu­pa­ckend. Sie war im­mer di­rekt, of­fen und ehr­lich. Sie war ei­ne fes­te Grö­ße, auf die im­mer Ver­lass war, sie war ein Vor­bild. Ei­ne sol­che Po­li­ti­ke­rin, die Freun­din war, zu ver­lie­ren, be­deu­tet ei­nen gro­ßen Ver­lust, für den es kei­ne Wor­te gibt!“

„Wir ver­lie­ren mit Ma­ria Gerst­ner ei­ne en­ga­gier­te Kreis­rä­tin und Mit­bür­ge­rin, für die es stets ei­ne Her­zens­an­ge­le­gen­heit war, sich für ih­ren Land­kreis und die Be­lan­ge der hier le­ben­den Men­schen mit gro­ßem En­ga­ge­ment ein­zu­set­zen. Un­se­re An­teil­nah­me gilt ih­rer ge­sam­ten Fa­mi­lie“, er­klärt Land­rat Klaus Löff­ler. Er ha­be mit Ma­ria Gerst­ner schon vor ih­rem 2002 er­folg­ten Ein­zug in den Kreis­tag ver­trau­ens­voll zu­sam­men­ge­ar­bei­tet.

Zekarias Kebraeb aus Eritrea liest aus seinem Buch

Der beeindruckende junge Mann, las an diesen Abend aus seinem Buch: „Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn“, seine Geschichte steht beispielhaft für tausende junger Menschen, die sich todesmutig auf eine lebensgefährliche Flucht vor einer Militärdiktatur begeben. Sie fliehen vor dem Militärdienst, der unbegrenzt sein kann und von Willkür, Brutalität und Unterdrückung geprägt ist. Nach der 11. Klasse geht es für alle jungen Menschen direkt nach Sawa zum Militärdienst. Ohne Hoffnung auf eine Zukunft, auf ein selbstbestimmtes Leben. Viele kennen ihre Väter nur, von dem einmal im Jahr zugestanden Militärurlaub. Ihre Familien, können sie von dem Lohn, den sie erhalten, umgerechnet ca. 40 € im Monat, nicht ernähren. Eritreas Bevölkerung lebt von dem, was die schon geflohenen Menschen nach Hause schicken. Und dies in einem Land das reich an Bodenschätzen ist.

„Ich verbrenne! Wasser, bitte, ein Meer voller Wasser! Es ist still. Meine Ohren horchen ins Nichts. Horchen angestrengt in eine leere Landschaft, in der nicht einmal mehr Blut rauscht. Da ist nichts, nur Wüste, bei deren vollkommener Stille man fühlt, wie gleichgültig man ihr ist. „Gott ist nichts“, denke ich. Gingen Moses, Jesus, Mohammad deshalb in die Wüste?“

Herr Kebraeb erzählt, wie oft er in der Sahara an das Glas Wasser dachte, das auf dem Tisch seiner Mutter stand und dass er nicht ausgetrunken hatte, bevor er am 02. März 2002 Eritrea verließ. Er war kurz davor in der Wüste zu verdursten, aber er hatte Glück, ein Freund retteten ihn mit einer Infusion das Leben. Er erzählt, wie er in der Wüste fast seinen Glauben an Gott verlor und er sich fragte: was ist das für ein Gott, der mir in dieser lebensbedrohlichen Situation nicht half. Obwohl ich 17 Jahre täglich in die Kirche gegangen bin und im Gospelchor aktiv war.  

Dieser mutige junge Mann hatte einen Traum, er wollte frei sein, frei leben, frei handeln und frei denken können. All dies ist in Eritrea nicht möglich: „Kurz nach dem Krieg begann 2001 die große Flucht derer, die keinen Dienst an den Waffen leisten und frei sein wollen. Sechzig EritreerInnen flohen täglich über die Grenzen in den Sudan, eintausendachthundert Menschen im Monat. Nur wenige Jahre später stellten weltweit hunderttausende Landsleute Asylanträge, darunter die komplette Fußballmannschaft.

„Human Rights Watch bezeichnet das Land, dessen Grenzen für junge Menschen absolut dicht sind, als das größte Gefängnis der Welt. Wird Diktator Afewerki mit diesen Zahlen konfrontiert, lacht er und bezichtigt die ganze Welt einer großen Lüge…..“

Und dieser Diktator wird auch von Deutschland unterstützt. Die Regierung von Deutschland hält es für zumutbar, dass Eritreer einen Reisepass bei der eritreischen Botschaft in Berlin beantragen können. Allerdings entzieht sich der breiten Bevölkerung, dass mit der Passbeantragung ein Schuldbekenntnis unterschrieben werden muss, in dem man sich dazu bekennt, ein Staatsverräter zu sein. Mit dieser Unterschrift ist der Platz im Gefängnis, bei einer erneuten Einreise nach Eritrea schon gebucht, so Kebraeb.  Außerdem muss mit einer Passbeantragung jeder Eritreer und jede Eritreerin 2 % ihres Bruttoeinkommens als sogenannte Solidaritätssteuer entrichten, auch wenn jemand Sozialhilfe bekommt. Ohne dafür eine Quittung oder einen Nachweis zu erhalten.

Zekarias Kebreab flüchtete im März 2002 von seiner Heimatstadt Asmara/Eritrea über den Sudan, durch die Sahara bis nach Libyen. Von dort ging es über das Mittelmeer nach Italien, in die Schweiz und nach Deutschland. Aber in Deutschland ist die kräftezehrende und traumatisierende Flucht nicht zu ende. Es dauert viele Jahre, bis er die lang ersehnte Anerkennungen und einen Flüchtlingsreisepass in den Händen hält und endlich frei ist.  „… Die Ausländerbehörde ist wie eine Mauer, gegen die ich anlaufe, immer wieder: Dies dürfen Sie nicht, das geht nicht, dorthin dürfen sie nicht, dahin nicht, arbeiten und lernen erst recht nicht. Ich bin genauso unfrei wie in Eritrea. Eine Chance, bitte geben sie mir eine Aufenthaltserlaubnis…“

Als Zekarias Kebreab 2018 miterleben muss, dass der eritreische Präsident Isayas Afewerki in Äthiopien zur Wiedereröffnung der Botschaft in Addis Abeba wie ein Held gefeiert wurde, erschütterte ihn das so, dass er nichts mehr zu sich nehmen konnte und musste künstlich ernährt werden. Er hatte keine physischen Symptome. „Ich musste nach Monaten das Essen wieder lernen wie ein Baby!“ 

Zekarias  Kebraeb kann inzwischen seinen Traum leben, nach zwei Ausbildungen arbeitet er jetzt ausschließlich in seinen Traumberuf  als Journalist,  er macht Radio für die eritreischen Flüchtlinge in Äthiopien und betreibt einen YouTube Chanel, mit 156.000 Abonnenten und über 37 Millionen Aufrufen, der sich Spiegel Eritreas „Mestyat Betna“ nennt.   Er ist viel unterwegs und kann frei reisen, unterstützt und informiert eritreische Migranten auf der ganzen Welt. Sein Buch „Hoffen im Herzen, Freiheit im Sinn ist schon in der zweiten Auflage ausverkauft und gibt es nur noch antiquarisch. Er hat sich vorgenommen, das Buch auch in die eritreische Landessprache – Tigrinya – zu übersetzen, um seine Landsleute darüber zu informieren was eine Flucht bedeutet, welche Kraft es kostet und das schon viele daran zerbrochen sind. Zekarias Kebraeb schaffte es die ZuhörerInnen und Zuhörer in seinen Bann zu ziehen, aufmerksam lauschten sie seinem Berichten. In der anschließenden Diskussion erzählte er, dass es in Eritrea seit 30 Jahren keine Opposition gibt, keine freien Medien und das die Menschen in Eritrea Angst haben, wenn sie gegen die Regierung kämpfen. Angst davor, dass Eritrea wieder seine Unabhängigkeit verliert. „Inzwischen werde ich täglich in ganz Eritrea gesehen via Satellitenfernseher. Ich möchte dazu beitragen, dass mein Land den Weg in die Demokratie findet und die menschenverachtende Diktatur der Ein-Parteien-Herrschaft in Eritrea ein Ende nimmt.“

Habtom Tesfay rundetet diesen informativen Abend mit einem eritreischen Lied über den Verlust von Familienangehörigen ab, er begleitet sich auf der Krar, einem traditionellen eritreischen Zupfinstrument.

Die Flüchtlingshilfe im Landkreis Kronach unterstützt Menschen, die aus ihrem Heimatland fliehen mussten in unterschiedlichen Bereichen. Ein wichtiger Punkt ist die Unterstützung bei Hausaufgaben und beim Spracherwerb. Wer Interesse hat neue Menschen und Kulturen kennen zu lernen ist bei der Flüchtlingshilfe herzliche Willkommen. Außerdem gibt es jeden Dienstag von 18 bis 20 Uhr einen offenen Treffpunkt im Landwirtschaftsamt in Kronach. Aktuell sind bei diesem Besuch die 3 G Regeln zu beachten ansonsten sind auch dazu alle Menschen herzlich eingeladen.

Frauen auf der Flucht

Eine Ausstellung in der Alten Synagoge gibt Schicksalen ein Gesicht. Vertiefend finden zwei Lesungen statt.                                                        von Peter Müller

18.10.2021

KRONACH. „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen …“, lautet das Motto, das sich die Flüchtlingshilfe im Landkreis Kronach gegeben hat. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Migrationshintergrund dabei zu unterstützen, bei uns eine neue Heimat zu finden. Dazu gehört es, die verschiedenen Kulturkreise vorzustellen und zusammenzuführen, Brücken zu unterschiedlichen Hilfsorganisationen und überregionalen Asylgruppen zu bauen und vor Ort mit der Diakonie zusammenzuarbeiten. Dazu gehört aber besonders, die heimischen Menschen über die unterschiedlichen Kulturen und Lebensverhältnisse aufzuklären, die Menschen dazu zu bringen, ihre Heimat zu verlassen und sich ins Ungewisse zu begeben.

Zur Ausstellungseröffnung am Freitagabend konnten neben den Mitgliedern und freien Mitarbeitern der Flüchtlingshilfe Kronach Bürgermeisterin Angela Hofmann, Heinz Hausmann, Dr. Peter Witton und einige Stadt- und Kreisräte sowie das „Duo Flair“ begrüßt werden.

Das musikalische Duo sorgte mit eindringlichen Liedern des Protests und der Hoffnung von der Empore herab für musikalische Besinnung und hoffnungsvolle Aufbruchsstimmung. Mitglieder des Vereins erklärten abwechselnd die Vita und das Anliegen der Künstler der Ausstellung und Ulrike Marr trug beispielhaft eine Erzählung „Die Frau, die flüchten darf“ vor. Die reichen Gastländer, die sich bei UNHCR, UN-Flüchtlingshilfe, bereit erklärt haben, Flüchtlinge aufzunehmen, betreiben eher eine Politik Schutz vor als Schutz von Flüchtlingen.

Neun Fotografen und Fotografinnen haben es sich zur humanistischen Aufgabe gemacht, die Geschichten von Frauen, die in der Heimat zurückgeblieben sind, sich auf der Flucht befinden oder Asyl in einem fremden Land gefunden haben, zu erzählen. Sie schildern den Alltag in den Flüchtlingslagern und die schwierige Suche nach einem neuen Zuhause für sich und ihre Kinder. Mädchen und Frauen, die ihre Heimat verlassen müssen, gehen einen Weg voller Grausamkeit, Gewalt und Diskriminierung, wie es ein Großteil der Fotografinnen am eigenen Leib erfahren hatte.

Die Hälfte aller Menschen, die sich weltweit auf die Flucht begeben, sind Frauen. Sie fliehen vor politischer Verfolgung, aus religiösen oder ethnischen Gründen, vor Bürgerkriegen, Umweltkatastrophen, Armut und allen möglichen Formen von Gewalt, vor häuslicher Gewalt, weil sie als Sachen gehandelt werden oder sexueller Gewalt.

37 Fototafeln schildern das Schicksal der Frauen, die aus unmenschlichen Bedingungen ausbrechen mussten, ihre Flucht, ihre Angst und ihren Mut zum Risiko wie ihr Ankommen. Sie zeigen das Leben in Lagern, die Zwangsarbeit oder Zwangsverheiratung, die den Kindern ihre Kindheit raubt.

Um das Thema der Ausstellung herum, die vom 15. bis zum 31. Oktober 2021 in der Synagoge Kronach zu sehen ist, finden zwei Lesungen von Betroffenen statt. Am 22. Oktober um 19 Uhr liest die Dokumentarfilmerin und Schriftstellerin Siba Shakib aus ihrem Buch „Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen“. Und am 30. Oktober liest der in Kronach beheimatete junge Zekarias Kebraeb aus seinem Buch „Hoffnung im Herzen und Freiheit im Sinn“. Darin schildert er seinen vier Jahre lang dauernden Höllentrip um von Afrika übers Mittelmeer nach Europa zu kommen.

Spenden helfen die Aufgaben zu finanzieren

Die Bitte um Spenden zur Bewältigung der Kosten im Zusammenhang mit der Tötung zweier Menschen und dem Brand in der Gemeinschaftsunterkunft in Kronach, folgten deutlich über 100 Menschen und Organisationen.

Spontan hatte Frau Langold zum Beispiel die Idee einen Spendenflohmarkt zu organisieren. Das war für viele eine einfache Gelegenheit sich an den Spenden zu beteiligen.

Die Intention von Frau langold war "einfach zu helfen", das hätte sie für jeden Menschen getan der so in Not ist, sagte sie. Insgesamt kamen dabei mehr als 700 € zusammen. 

Deutlich über 100 Spenden kamen dazu.
Wir, die Flüchtlingshilfe Kronach, bedanken uns bei allen Spenderinnen und Spendern herzlich für die überwältigende Spendenbereitschaft. Europaweit zeigten Menschen nicht nur Betroffenheit sondern wollten helfen!

Kronacher Flüchtlingshilfe täglich im Einsatz

Der Verein kümmert sich seit Jahren um jene, die in Deutschland eine neue Heimat suchen. Dabei arbeitet man auch mit den Behörden gut zusammen.  

von Maria Löffler

KRONACH. Es war einmal ein Anruf... So beginnen viele Flüchtlingshelfergeschichten und sie enden meist in einer Lebensaufgabe, die man sich zu Herzen nimmt. Der Verein der Kronacher Flüchtlingshilfe kämpft dabei aufseiten derer, die in Deutschland erst einmal keine Stimme und wenig Rechte haben. Es ist ein Kampf, der täglich neu geführt werden muss. Und genau das tun nicht nur die 34 festen Mitglieder, sondern vor allem auch die Ehrenamtlichen, die sich mit Leib und Seele für diese Aufgabe engagieren.

Die Flüchtige aus unterschiedlichen Ländern, die hier in Deutschland nach einer neuen Heimat suchen, haben dafür unendlich viel in Kauf nehmen müssen. Die Kronacher Flüchtlingshilfe kümmert sich um sie, wird aktiv in vielen Bereichen.

Ein Beispiel macht klar, wie hoch der Bedarf an Helfern wirklich ist: „Ein junger Mann humpelt wegen Verletzungen an beiden Beinen mit seinen Krücken, einer Plastiktüte und einem Zettel in der Hand suchend durch Küps. Zwei Frauen erkennen, dass der Mann in einer Notlage ist, und bieten ihm ihre Hilfe an. Deutsche Sprache, Fehlanzeige. Aber er reicht den Frauen den Zettel hin, aus dem hervorgeht, dass er Flüchtling ist und den Weg in die Küpser Gemeinschaftsunterkunft sucht. Da die Tür der Unterkunft allerdings mit einem Eingangscode versehen ist, wenden sich die Frauen an die Nachbarin, die sich auch sonst rührend um Flüchtlinge kümmert. Zusammen mit einer weiteren Flüchtlingshelferin schaut die Nachbarin, was der Mann braucht, denn offensichtlich hat er außer seiner Plastiktasche mit ein paar Kleidungsstücken und dem, was er anhat, nichts. Ein Alarmruf über die WhatsApp-Gruppe der Flüchtlingshilfe ruft ein starkes Echo hervor.“ Franz-Josef Förster ist eigentlich Kassierer des Vereins, aber er übernimmt auch viele andere Aufgaben. Er hat lange Erfahrung, was organisatorische Dinge betrifft und seit einiger Zeit profitieren sogar die Behörden davon. „Die Ämter sind für uns keine Feinde. Sie haben Spielräume, wir haben Spielräume.“

Förster spricht von den langjährigen Erfahrungen, die er und die ganze Truppe durchlaufen haben. „Etwa zehn Menschen bilden unseren harten Kern.“ Jetzt wissen sie meist genau, welche Strippen sie ziehen müssen, oder wen sie fragen könnten. „Das war nicht immer so“, meint auch die Vorsitzende Barbara Heinlein. „Man wächst mit der Herausforderung. Dann fängt man an, etwas in Bewegung zu setzen, man wird immer mutiger, legt auch mal den Finger in die Wunde. Aber wir wissen, dass wir uns immer aufeinander verlassen können. Und wir haben gute Kontakte zum Jobcenter, zur Krankenkasse oder zum Landratsamt.“

Warum man überhaupt für Flüchtlinge einsteht, erklärt Angelika Rosenbauer-Chakwu: „Aus Nächstenliebe.“ Sie, die über die Arbeit mit Geflüchteten auch ihren Mann, einen Nigerianer, kennengelernt hat, bekam, bevor alles begann, ebenfalls einen Anruf: „Könntest du bitte mal jemand vom Bahnhof abholen?“ Seither habe es unzählige, emotionale Momente gegeben, viele Ängste, viel Leid, aber auch Freude. Galina Lenhardt bringt es auf den Punkt: „Du bist nicht alleine und das spürst du.“