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Gemeinsam für einen besseren Start

 

Nicht immer braucht es eine Vereinsgründung, um etwas zu bewegen. Doch manches wird dadurch einfacher. In Kronach haben Flüchtlingshelferdiesen Schritt nun getan.  Maria Löffler

 

KRONACH. „Es sind Schicksale und dahinter stecken Menschen.“ Der Satz stammt von Barbara Heinlein, der Vorsitzenden des kürzlich in Kronach gegründeten Flüchtlingshilfevereins, die mit vielen ehrenamtlichen Helfern bereits schon seit Jahren den Menschen zur Seite zu steht, die in unserem Land auf der Suche nach Schutz sind.

Warum gerade jetzt ein Verein gegründet wurde, um den Flüchtlingen zu helfen, erklärt dabei Kassierer Franz-Josef Förster: „Wir haben kommerzielle Aktivitäten und wir brauchen Fördermittel. Und wir wollten unsere Tätigkeiten auf rechtlich sichere Füße stellen und nebenbei das Wirgefühl stärken. Die Arbeit bleibt dennoch die gleiche.“

Der Verein kümmert sich um die, die traumatisiert und völlig ohne Perspektive sind. „So eine Flucht ist ja kein Spaziergang. Sie kostet enorm viel Geld und oft genug das Leben“, betont Heinlein. Hätten es die Menschen dann doch irgendwie hierher geschafft, träfen sie auf neue Schwierigkeiten. Schließlich gelte es nicht nur eine neue Sprache zu lernen oder sich anzupassen.

„Es prallen ja Kulturen und Religionen aufeinander.“ Aber es gäbe auch viele Gemeinsamkeiten, selbst Sprichwörter würden sich oft gleichen und: „Je jünger man ist, desto einfacher ist es“, weiß sie. „Wir müssen uns nur auf der menschlichen Ebene begegnen“, betont sie.

Heinlein und ihr Team sind oft hier die ersten Ansprechpartner. „Wir unterrichten sie in deutscher Sprache, damit sie die Chance haben, einen vernünftigen Job zu finden oder auch nur ihren Alltag zu meistern. Wir begleiten sie bei Behördengängen, zum Arzt oder zum Einkauf. Wir nehmen die Menschen einfach mit, suchen Wohnungen für sie, organisieren Umzüge und helfen bei Bewerbungsschreiben.“

Momentan bemüht man sich auch darum, dass in Gemeinschaftsunterkünften in Oberlangenstadt und in der Ludwigsstädter Straße in Kronach Wlan eingerichtet wird. Für viele Flüchtlinge sei nun mal das Internet und das Smartphone die einzige Möglichkeit, Kontakt zur Heimat herzustellen. „Und sie brauchen die Handys auch, um damit Dokumente zu fotografieren und zu versenden. Geht es verloren, dann gleicht das einer mittlere Katastrophe“, berichtet die Vorsitzende.

Insbesondere Dokumente seien oft eine leidige Sache. „Die Flüchtlinge kommen ja teilweise aus Ländern, in denen einfach nichts registriert wird, auch nicht eine Geburt. Da ist man halt einfach da“, berichtet sie.

„Diese Menschen brauchen einfach eine Chance, denn in den meisten Fällen haben sie ihr Leben noch vor sich. Deshalb bin ich froh, dass wir so viele sind, die gemeinsam anpacken und uns unterstützen.“ Oft stoße aber auch sie an ihre Grenzen. Sie spricht von Behördengängen, die ganze Tage in Anspruch nähmen und oft dann auch nicht mit einem zufriedenstellenden Ergebnis endeten. Sie spricht von Fehlern in den Ausweispapieren, von Irrtümern, die man aus dem Weg räumen müsse und von einer überbordenden Bürokratie: „Das muss man sich mal vorstellen: Eine Familie in Steinbach am Wald zahlt für ihre Wohnung in einer Gesamtunterkunft 820 Euro an die Regierung von Oberfranken und bekommt dann einen Mietzuschuss wieder zurück. Wie sinnvoll ist das denn? Und vor allem wie teuer ist das?“ Das Beispiel sei nur eines von vielen, das zeigt, dass man vieles wohl noch verbessern oder optimieren könne.

Und dann spricht sie von Unterstützung, die auch der Verein gerade jetzt dringend nötig hätte: „Wir brauchen nicht nur freiwillige Helfer überall im Landkreis, wir benötigen auch Jobs, Wohnungen, Möbel, Elektrogeräte, Fahrräder, Handys, Kleidung.“ Eben alles, was jemand benötigt, der neu anfängt, weil er alles habe zurücklassen müssen.

Netzwerke und Kooperativen hätten sich schon gegründet, meint Barbara Heinlein. „Wir sind mit Firmen und Handwerkskammern in Kontakt, schaffen da immer wieder Verbindungen, wir vermitteln und wenn wir nur eine Situation verbessern können, dann haben wir schon ein großes Ziel erreicht.“

In diesem Zusammenhang verweist die Vorsitzende auf eine Aktion der Adalbert-Raps-Stifung: „Sie wetten, dass wir es nicht schaffen, in drei Monaten drei neue, aktive Mitglieder zu finden. Der Einsatz der Stiftung, falls wir die Wette gewinnen, wird es uns ermöglichen, viele neue Projekte zu verwirklichen. Wir möchten das Ergebnis toppen und von drei auf zehn erhöhen.“

Ein ambitioniertes Ziel also, das sich der neue Verein gesetzt hat, um Menschen zu helfen. „Wir hoffen, dass möglichst viele sich melden, um dabei zu sein und um schreckliche Schicksale zum Guten zu wenden.“

Der neue Verein der Flüchtlingshilfe besteht derzeit aus drei Vorstandsmitgliedern. Vorsitzende ist Babara Heinlein, zweite Vorsitzende Gaby Scharf und Kassierer ist Franz-Josef Förster.